Die Mundstückberatung Teil 2: Die Bahnöffnung
Die Bahnöffnung des Mundstücks beim Saxophon ist nicht nur für das Erzielen verschiedener Klänge und Klangvolumen von Bedeutung, sondern auch maßgeblich für ein bestimmtes, vom Saxophon-Spieler bevorzugtes Spielgefühl. Widerstand, Luftdurchsatz, Lippenspannung und Stütze können mit Hilfe einer spezifischen Bahnöffnung abgestimmt werden.
Die mit der Bahnöffnung harmonisierende Blattstärke ist von großer Wichtigkeit und muss sorgfältig gesucht werden. Ändert man etwas am Parameter der Öffnung, so muss auch die Blattstärke neu kalibriert werden und umgekehrt.

Die Entwicklung des eigenen Könnens
Von Zeit zu Zeit und mit zunehmendem Können des Spielers kann sich die Blattstärke und/oder Bahnöffnung ändern – kann – muss aber nicht. In vielen Fällen gehen Spieler mit der Zeit aber den Weg einer größeren Öffnung und höheren Blattstärken und fühlen sich damit wohler.
Am besten jedes Jahr einmal überprüfen bis man am Ziel ist. Man sollte vermeiden, dass man sehr leichte Blätter auf dem Saxophon spielt, nur um eine große Öffnung spielen zu können, weil ein Idol auch eine große Öffnung bevorzugt. Blattstärken von 1,5 sind nur für die Anfänge gedacht.
Unterschiede von Jazz- und Klassikblättern
Gewisse Blattmarken können mit einem bestimmten Mundstück und dessen Öffnung besser harmonisieren als andere. Jazzblätter sind häufig für größere Öffnungen und kurze Bahnen konzipiert, klassische Blätter für kleinere Öffnungen und längere Bahnen.
Die Öffnung wird meist in Zahlen oder Buchstaben gekennzeichnet: z.B. 4, 5, 6 oder wie bei SELMER in C – H, wobei auch häufig ein * zum Einsatz kommt (z.B. C* oder 8*), der meist eine geringfügig größere Öffnung bezeichnet als der Buchstabe oder die Zahl alleine. Beim Altsaxophon variiert die Bahnöffnung zwischen 1,3 und 2,8 mm. Je größer die Öffnung, desto "jazziger" und voluminöser wird der Klang.
Erfordernisse der klassischen Musik benötigen eher geschlossene Bahnen. Dadurch ist ein gepflegtes pianissimo auch in extremen Lagen besser beherrschbar und der Klang bekommt eine wohlige Wärme aber auch klassische Brillanz. Im Jazz oft bevorzugte Sounds oder angewendete Glissandi sind auf größeren Öffnungen besser zu realisieren, weil mehr Freiheiten in den Blattschwingungen vorhanden sind. Will man mehr Power im Sound haben, so muss auch die Öffnung nach oben korrigiert werden.
Die Größe des Instruments
Beachtung sollte auch die Größe des Saxophons verdienen: Ein Sopransaxophon benötigt weniger Öffnung um dem Instrument die nötige Luftmenge zu geben – beim Tenor- oder Baritonsaxophon erzielen viele Spieler mit größeren Öffnungen und härteren Blättern gute Ergebnisse, weil große Instrumente nach viel Luft verlangen.

Fazit
Wenn ein Saxophon-Spieler seine Bahnöffnung und die zugehörige Blattstärke auf sich und sein Spiel optimal abgestimmt hat, so fühlt er sich wohler, alles funktioniert einfach besser sowie Klang und Intonation sind leichter beherrschbar. Das Potential ist riesig!
Kleine Schritte
Bitte in kleinsten Schritten herantasten und nicht mit der Brechstange vorgehen. Die führt meist in Sackgassen. Man sollte sich nicht von außen beeinflussen lassen. Wie schon erwähnt ist es eine individuelle Anpassung, die man selbst finden muss. Gute Lehrer können aber selbstverständlich Tipps geben, da diese aus Erfahrung im Sound gewisse Dinge hören können und den Schüler auch kennen.
Die eigene Klangvorstellung
Und nicht vergessen: Im jedem Kopf steckt eine individuelle Vorstellung des Klangs, den man gerne haben möchte: Dieser spielt wie immer eine wichtige Rolle bei der Wahl des Materials.
Weiter geht es im nächsten Tipp mit den Öffnungskurven.





